Verkehrsunfall, Polen
Einsatzbericht 2007-07-19Â
11:00 UhrÂ
Erster Kontakt: 17.07.2007,
12:20 Uhr
Patient: Leichtes
SHT, Bruch der rechten Hand, Hüftprellungen
Aufenthaltsort: Ustka,
Polen (Ostseeküste)
Maßnahmen: Diagnostik,
Ruhigstellung, Gipsschiene
Abholung: 19.07.2007
Transportmittel: Ambulanzflugzeug
Beechcraft 200
Begleitung: Notarzt,
Notarzt zur Einweisung, Rettungsassistent
Flugstrecke: Gdansk
(Danzig), Polen – Basel-Mühlhausen, Schweiz
Es ist Mittagszeit am Dienstag, den 17. Juli, als sich in
der Leitstelle des DRK Flugdienstes ein Vertragspartner meldet. Ein Kunde
dieser Versicherung hat in Polen einen Verkehrsunfall erlitten, zunächst ist
nur von einer Gehirnerschütterung die Rede. Die Leitstelle wird gebeten, weitere
Daten zu erheben und den Fall medizinisch abzuklären. Im Gespräch mit dem Patienten
erfährt der Disponent, dass sich der 71-jährige Patient im Rahmen einer Studiengruppe
in Ustka an der mittleren Ostseeküste aufgehalten und dort den Autounfall erlitten
hat. Er wurde dann in das 80 km entfernte nächste Krankenhaus gefahren, wo
zunächst in der Ambulanz seine Handverletzung ruhig gestellt wurde. Der Pat.
hat sich dann wieder an den Küstenort zurückbegeben und wird jeden Nachmittag
von einer englisch sprechenden Ärztin, die im Umfeld der Studiengruppe zu
finden ist, besucht und betreut. Der Pat. hatte in der Vergangenheit
Herzprobleme und leidet unter anderem unter einer Aortaerweiterung. Somit ist
als nächstes das sog. Arzt-zu-Arzt-Gespräch durch die Leitstelle auszulösen.
Der beauftragte Arzt des DRK Flugdienstes spricht zunächst mit dem Patienten
selbst und kann am späteren Nachmittag die englische Ärztin erreichen. Er
berichtet, dass der Patient ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, also eine
Gehirnerschütterung, schwere Prellungen der linken Hüfte mit einem ausgedehnten
Bluterguss und die Fraktur der rechten Hand zugezogen hat. Der Patient kann
wegen der Hüftprellung kaum mobilisiert werden, auch ist die chirurgische
Situation der Hüftverletzung nicht endgültig geklärt, so empfiehlt der DRK-Arzt
zur Weiterbehandlung in Deutschland und schließt sich damit auch dem Rat der
dortigen Ärztin an. Schließlich sind auch die therapeutischen und
physiotherapeutischen Möglichkeiten vor Ort nicht nur sehr beschränkt, sondern
entsprechen zudem nicht dem deutschen Standard.
Nachdem ein Rücktransport mit einem Krankenwagen wegen der Entfernung zu einem
heimatlichen Krankenhaus von weit über 1200 km ausscheidet, ein Transport auf
einem Stetcher in einem Linienflugzeug von den Möglichkeiten her nicht gegeben
ist, muss der Patient mit einem Ambulanzflugzeug transportiert werden, wenn
auch weniger dringlich. Die Leitstelle kalkuliert nun den Ambulanzflug und
informiert die Versicherung über das Ergebnis der medizinischen Abklärung und
über die erwarteten Kosten für den Rücktransport, der zum Europort in Basel-
Mülhausen führen soll, da der Patient aus dem Südschwarzwald stammt. Am späten
Vormittag des nächsten Tages sind alle Besprechungen durchgeführt und die
Versicherung gibt die Freigabe zur Durchführung des Ambulanzfluges.
Die gewünschte Maschine ist am nächsten Tag verfügbar, somit erhält der
Flugbetrieb den Einsatzauftrag und die laut Dienstplan benannte medizinische
Besatzung wird über die Einzelheiten des Fluges informiert. Da ein in Polen
nahe gelegener Militärlandeplatz über keinen Zoll und keine Grenzpolizei
verfügt und man dort auch einen Vorlauf zur Landegenehmigung von mindestens 36
Stunden hat, entscheidet man sich zu Gdansk (dem früheren Danzig) als
Abholflughafen. Für Polen bestehen nämlich nach dem Beitritt zur EU noch
grenztechnische Übergangsbestimmungen. Nun wird der Patient ausführlich
informiert, und da auch Sohn und Tochter mit vor Ort sind, kann durch die
Familie sicher der Antransport mit einer Ambulance zum Flughafen organisiert
werden. Der Patient ist an dem Verkehrsunfall passiv beteiligt gewesen, das
heißt, er ist nicht selbst gefahren, somit kann er problemlos ausreisen. Als
Zielkrankenhaus wird das Kreiskrankenhaus Lörrach vorgesehen; der DRK Kreisverband
Lörrach wird über die Rettungsleitstelle gebeten, den Abtransport vom Europort
über die schweizerische Seite des Flughafens durchzuführen. Der Kontakt der
Leitstelle mit der Klinik ergibt, dass das Haus zwar voll belegt ist, der
diensthabende Unfallchirurg jedoch eine Möglichkeit findet, den Patienten am
nächsten Nachmittag aufzunehmen.
Um neun Uhr am nächsten Morgen startet das Ambulanzflugzeug vom Typ Beechcraft
200 pünktlich von ihrer deutschen Basis und landet knappe zwei Stunden später
in Polen. Der Patient ist in Gdansk schon am Flughafen und kann nun in die
Maschine eingeladen werden. Er wird zum Transport vorbereitet, und anschließend
kann die Turboprop-Maschine in Richtung Basel starten. Um fast genau 15 Uhr
landet das Flugzeug nach einem für den Patienten problemlosen Flug aber mit
starkem Gegenwind auf dem Europort. Der Krankenwagen wartet auch hier bereits
und liefert den Patienten schließlich nach kurzer Fahrt ins Lörracher Kreiskrankenhaus
ein.